Bauhaus-Sommerakademie

In einigen Beiträgen hatte ich die Bauhaus-Sommerakademie der Bauhaus-Universität Weimar verlinkt. Das geschah nicht ganz ohne Hintergrund. Ich war im letzten Jahr einer der Teilnehmer – und schildere daher im folgenden meine Erfahrungen. Zuerst war ich etwas skeptisch. Nach Weimar fahren um Englisch zu lernen? Ich habe es letztlich einfach gemacht – weil mich das Konzept der Bauhaus-Sommerakademie dann doch überzeugt hatte.

Einleitung
Das Programm der Bauhaus-Sommerakademie heißt „Sprachen fürs Leben“ und besteht aus den unterschiedlichsten Sprachangeboten, hauptsächlich jedoch aus den gängigeren Sprachen wie Spanisch, Englisch, Französisch und Deutsch als Fremdsprache (in der Beschreibung der Uni heißt es, „Deutsch in Weimar“). Man entscheidet sich für eine der Sprachen und meldet sich dementsprechend an und darf dann einen Monat lang von Montags bis Freitags englisch lernen, am Wochenende gibt es dann zudem freiwillige Exkursionen. Das ganze kostet 275€ plus (falls nötig) Unterkunft. Moment plus Unterkunft? Ja, plus Unterkunft – allerdings ist die von der Uni vermittelte Unterkunft eines der (vielen) Studentenwohnheime. Die Kosten dafür sind moderat ~200€ für einen ganzen Monat, das geht in Ordnung. Auch wenn man sich dadurch von der Vorstellung eines traumhaft günstigen Sprachkurses verabschieden muss. Immerhin hohe Anreisepreise entfallen und die Kursgebühr ist mehr als fair, denn man hat jeden Tag Sprachunterricht bei Muttersprachlern, in den meisten Sprachreisen hat man 2-3 mal in der Woche einen kurzen Sprachunterricht. Das Argument der Uni, nur ein Auslandsaufenthalt würde einen intensiveren Lerneffekt haben, ist also nicht ganz von der Hand zu weisen.
In der Kursgebühr ist übrigens der Eintritt in den meisten Museen der Stadt Weimar enthalten – das sind so einige. Angefangen von Goethes Gartenhaus über Schillers Wohnhaus …. bis hin zu Museen mit moderner Kunst. Da lässt sich für jeden etwas finden.

Der Sprachunterricht
Der Sprachunterricht wird von den Dozenten gerne als der „offizielle Teil“ bezeichnet. Der „offizielle Teil“ – weil man zwar drei oder viereinhalb Stunden täglich Sprachunterricht hat, aber danach meist noch einiges macht macht. Man trinkt mit seinen Dozenten durchaus noch einen Kaffee oder besucht ein Museum. Insgesamt geht es sowohl im offiziellen Teil als auch in inoffiziellen Teil sehr kommunikativ und weniger ernst zu. Ein wenig Offenheit und Humor braucht man schon für die Sommerakademie, dafür lernt man aber auch in einer recht lockeren Atmosphäre.

Die Teilnehmer
Die Sommerakademie ist vor allem eins. International. Da lernt man schnell mal mit einer Chinesin zusammen Englisch, trifft auf einer Party einen Syrer der Deutsch in Weimar lernt oder trifft eine Spanierin die nach Weimar gekommen ist um Französisch zu lernen. Alles möglich, die Mehrheit der außerhalb Deutschlands stammenden lernt allerdings Deutsch in Weimar, auch wenn es einige Ausnahmen gibt. Da die Sommerakademie allerdings viele gemeinsame Veranstaltungen wie Filmabende, Workshops und Partys hat kommt man allerdings mit allen Teilnehmern – unabhängig von der Sprache in Kontakt. Auch vom Alter her ist die Teilnehmerschaft gut gemischt – von einem Rentner, einer Promovierenden bis zu frisch gebackenen Abiturienten gibt es alle Altersstufen. Allerdings überwiegt der Anteil derjenigen die schon ein paar Semester hinter sich haben.
Auch wenn die Teilnehmer eigentlich alle recht verschieden sind, so stammen doch eigentlich alle aus einem eher akademischen Umfeld. Jemand der nicht studiert/bzw. nicht plant zu studieren oder gar fertig mit seinem Studium ist, ist mir während der gesamten Sommerakademie nicht begegnet.

Die Veranstaltungen
Die Liste wäre lang. Eigentlich gibt es jeden Tag mindestens zwei Veranstaltungen die nicht zum offiziellen Teil gehören. Da gibt es Filmvorführungen, Sprach-Stammtische etc. Die Veranstaltungen sind recht unterschiedlich und für jeden ist sicherlich etwas dabei.

Workshops
Salsa, Radio, Stimmen, Comic-Zeichnen… die Liste der Workshops war recht lang. Ich selbst habe an zwei Workshops teilgenommen – und die haben mein Programm ganz gut gefüllt. Gerade der Radio-Workshop war recht Zeitintensiv, auch wenn er größtenteils viel Spaß brachte und ich persönlich ansonsten nicht die Möglichkeit gehabt hätte jemals live im Radio zu moderieren. Obwohl das ursprünglich auch gar nicht meine Absicht war…
Wenn du jetzt letztes Jahr in Weimar in der Fußgängerzone gefragt wurdest „Was hälst du eigentlich von Clowns“, oder „Findest du Clowns lustig“ und da dann jemand stand der ein Aufnahemgerät in der Hand hat, dann wurdest du wahrscheinlich von mir oder jemand anderen des Radioworkshops für unsere Sendung interviewt.

Die Unterkunft
In Weimar gibt es mehrere Studentenwohnheime, die sich alle über die inneren Stadtbereiche verteilen. Das größte Studentenwohnheim ist das Studentenwohnheim am Jakobsplan – ein Gebäude das so gar nicht in die Stadt Weimar passt. In Weimar findet man viele historische Gebäude, mit freundlichen Fassaden, kaum ein Gebäude hat mehr als 4 oder 5 Stockwerke. Außer halt das Studentenwohnheim am Jakobsplan. Ein richtiger DDR-Bau wie er den Klischees nicht hätte besser entspringen können. Immerhin – die Zimmer sind recht groß, die Gebäudesubstanz ist auch nicht kurz vor dem Verfall. Allerdings teilt man sich die Küche in dem besagten Studentenwohnheim mit dem ganzen Flur und das sind teilweise bis zu 15 Personen. Dementsprechend laden die Küchen nicht unbedingt zu ausgeweiteten Kochabenden ein.
Die anderen Studentenwohnheime sind allerdings deutlich besser – die Küche teilen sich dort in der Regel weniger als 5 Personen.

Museen
In der Einleitung erwähnte ich bereits die Museen. Eigentlich bin ich kein unheimlich großer Museen-Fan, aber Weimar hat schon viele Museen zu bieten – und mit der Kursteilnahme kommt man kostenlos in alle Museen der Klassik Stiftung Weimar. Eine ganze Menge Museen also, unter anderem ist dadurch der Eintritt in die berühmte Anna Amalia Bibliothek enthalten. Die Bibliothek ist zwar sehr beeindruckend – aber man muss sich für seine Karte früh morgens anstellen – oder man geht leer aus. Alternativ kann man auch ein halbes Jahr im Voraus seine Karte bestellen. Den Besuch sollte man also ein wenig planen – kurzfristig kommt man nicht in die Anna Amalia Bibliothek herein.
Die anderen Museen lassen sich aber auch kurzfristig besichtigen – und wem das Museum nicht zusagt der geht halt einfach recht schnell durch und flüchtet sich in das nächste Museum.

Das Bergfest
Zu dem Bergfest verrate ich nicht als zu viel – es ist sicherlich mehr oder weniger einer der Höhepunkte der Sommerakademie, da hier jede Sprachgruppe eine Performance zu einem Song der jeweiligen Sprache erstellt. Ich denke die Faszination des Bergfestes können vermutlich ohnehin nur die Teilnehmer vergangener Bauhaus-Sommerakademien verstehen.

Partys
Es gibt viele. Salsa-Party, Brutal-Polka-Party, … an manchen Tagen fiel es sicher dem einen oder anderen Teilnehmer der Sommerakademie schwer zum Sprachunterricht einigermaßen pünktlich aufzutauchen.

Die Ausflüge
An den Wochenden gibt es zusätzlich Ausflüge, beispielsweise im vergangenen Jahr eine kleine Schlauchboot-Tour, ein Ausflug nach Berlin und ein Auslug nach Dresden.
Die Ausflüge werden mehrheitlich von den „Deutsch-in-Weimar“-Lernenden gebucht, aber auch für die anderen Sprachgruppen sind die (optionalen) Ausflüge ganz nett.
Ich muss allerdings sagen – dass ich irgendwie von dem ganzen Programm erschlagen war. Es gab einfach zu viel und die Ausflüge an denen ich teilgenommen habe, haben dann letztlich meine einzigen noch nicht vollständig verplanten Tage aufgefressen. So wollte ich beispielsweise noch Erfurt privat besichtigen – in der Zeit der Sommerakademie bin ich dazu allerdings nicht mehr gekommen. Ich denke, die Ausflüge sind nicht unbedingt für die Sommerakademie nötig.

Fazit
Nachdem ich recht ausführlich geschildert habe, was die Sommerkademie ist und wie meine Meinung zu dem einen oder anderen Punkt aussieht, hier noch ein kurzes Fazit:
Die Bauhaus-Sommerakademie der Uni-Weimar bietet ein breit gefächertes Programm. Der Schwerpunkt liegt zwar auf Sprachen – aber nicht im Sinne von stundenlangen Vokabel-Pauken – sondern im Sinne von internationalen Begegnungen und Erlebnissen. Eine Teilnahme lohnt sich meiner Meinung nach für alle, die einfach mal ein wenig auf andere Gedanken kommen wollen und Sprach gegenüber nicht abgeneigt sind.