Konzept der nivellierten Mittelstandsgesellschaft von Helmut Schelsky

Der Soziologe Helmut Schelsky hat in den 50er Jahren die These aufgestellt, das es keine typische Klassen-Gesellschaft mehr gibt. Es gebe nur noch eine Art nivellierte Mittelstandsgesellschaft, da durch die soziale Mobilität und dem allgemeinen Wohlstand typische Klassen nach und nach verschwinden. Daher, die bürgerliche Mitte ist aufgrund ihres materiellen Wohlstands weder reich, noch weist sie Tendenzen zum Proletariat auf.
Da es durch diese These gar keine Klassen mehr gibt spricht man auch von einer „Anti-Klassentheorie„. Ansehen zu speziellen Berufen/Berufsgruppen sieht Schelsky als Relikt vergangener Zeiten, das keinen Platz in einer Mittelstandsgesellschaft hätte.

Aus heutiger Sicht wird das Konzept der nivellierten Mittelstandsgesellschaft von Helmut Schelskys eher kritisch betrachtet. So gibt es tendenziell wieder größere Einkommensunterschiede. Zudem herrscht insbesondere im deutschen Bildungssystem eine soziale Auslese vor, die bei einer Mittelstandsgesellschaft aufgrund der Nivellierung nicht existieren sollte.
Viele Indikatoren sprechen dafür, dass die Menschen sich des Weiteren auch nicht mehr als Mittelstandsgesellschaft verstehen. Wer angst vor einem Abrutsch in das Prekariat hat, sieht sich selbst vielleicht noch dem Mittelstand angehörig, sieht seine Position innerhalb der Mitte allerdings als nicht gefestigt.

Erarbeitet nach: Schöningh, „Wirtschaft, Gesellschaft, Politik“ Bd. II, Sozialstruktur Deutschlands