Staatsbankrott

Was passiert, wenn ein Land Pleite macht: Ein Horrorszenario

In dem Artikel „Was passiert, wenn ein Land Pleite macht" (aus der "Zeit", 05.03.2009) beschreiben die Autoren Peter Dausend und Mark Schieritz den möglichen Bankrott ein fiktiven "Musterlandes", welches jedes mögliche Land darstellen könnte.
So sei in dem Musterland der Staat zum zentralen wirtschaftlichen Organ geworden, welches Milliarden in Banken und auch Unternehmen direkt (!) investiert um das Wirtschaftssystem möglichst zu stützen. Horrende Staatsschulden werden dabei in Kauf genommen.
Auch die Teufelsspirale einer erdrückenden Staatsverschuldung wird anhand des Musterlandes im Zusammenhang mit Ratingagenturen beschrieben. So sei die ohnehin schon gebeutelte Staatskasse dazu gezwungen bei neuen Krediten eine Art Risikoaufschlag wegen der mutmaßlich geringen Botinität zu zahlen, um überhaupt noch Investoren anlocken zu können. Damit hat das Musterland noch mehr Schulden zu tilgen und kann kaum wieder eine akzeptable Schuldenpolitik betreiben. Es ist in der Teufelsspirale gefangen.
Zudem greifen die Autoren des Artikels auch mögliche Formen des Protektionismus auf. So wende sich das hilfesuchende Musterland an die EU, in der jedoch als neuer Ton sich Protektionismus statt Freihandel innerhalb des Binnenmarktes durchgesetzt habe.
Des Weiteren werden mögliche Fremdwährungsrisiken dargelegt. So sei ein Staat, der in fremden Devisen verschuldet ist, bei einer Abwertung der eigenen Devisen im finanziellen Nachteil. Es würde ihm schwerer fallen diese Schulden zu tilgen. Gerade im Hinblick auf die Tatsache, dass in aufstrebenden Industriestaaten die Währungen tendenziell in den vergangenen Jahren im Vergleich zur bisherigen Leit-Währung dem US-Dollar erheblich an Wert zugenommen haben, könnte es nun schwer fallen dieses Risiko zu tragen.
Aufgrund der leeren Staatskassen kann der Staat die Kredite nicht fristgerecht ablösen und kann ggf. keine Gehälter der Beamten, die ja bekanntlich und auch laut Gehaltsrechner nicht sehr gering sind, und ähnliches mehr bezahlen. Damit verbreite sich sowohl in der Bevölkerung als auch in den Unternehmen eine starke Verunsicherung.

Dennoch sei die Lage auch begrenzt vorteilhaft, so würde ein niedriger Leitzins für billige Kredite sorgen. Wenn die Investoren ihr Geld nicht investieren, könne die Zentralbank einfach immer noch die Geldmenge erhöhen, wie es längst bei der Fed und Bank of England gemacht wurde.
Letztendlich sei das Musterland nur geschwächt. Problematischer seien die Staatsausgaben um die Bevölkerung zufriedenzustellen. Diese würden den Musterland erheblich zusetzen und die Politik sei gefragt den Menschen nicht immer nur ein besseres Leben zu versprechen.
Würde das nicht erfolgen und die Erhöhung der Geldmenge über längere Zeit betrieben, dann sei davon auszugehen, dass die Nachfrage zwar weiter steigt, die Preise aber zugleich stark anziehen, da die Produktion nicht nachkommen kann. Es kommt zu einer Hyperflation womit das Geldvermögen der Sparer komplett vernichtet ist. Einziger Vorteil sei, dass durch die erhöhte Geldmenge der Staat quasi Schuldenfrei ist.

In dem Artikel wird dementsprechend ein Szenario beschrieben, welches sich teils fiktiver Entwicklungen und schon vergangenen Ereignissen bedient. Allerdings scheinen selbst die fiktiven Annahmen als möglich.
So haben in der Tat, die Notenbanken in den USA und Großbritannien damit angefangen die Geldmenge drastisch zu erhöhen. Zudem betreibt die Fed seit einigen Monaten eine Zinspolitik, welche auf sich auf einem äußerst niedrigen Niveau bewegt. Banken kommen somit äußerst günstig an Kredite, welche sie allerdings deutlich vorsichtiger als zuvor vergeben. Es wird somit versucht ein gutes Investitionsklima zu erschaffen. Sparer erhalten jedoch für ihr Guthaben kaum noch Zinsen, was sie zum Ausgeben animieren könnte. Jedoch sind die Verbraucher verunsichert. Zudem fragt man sich wie lange die Erhöhung der Geldmenge noch funktionieren kann. Eine Frage, die auch im Text aufgegriffen wird.
Die europäische Zentralbank erhöht zwar auch die Geldmenge, allerdings nicht mehr als auch vor der Finanzkrise üblich gewesen ist.
Der Gedanke der Fremdwährungsrisiken, spielt mutmaßlich auf Island an. Einem kleinen Land, mit einer eigenen Währung. Die isländische Währung verlor im vergangenen Jahr massiv an Wert. Da Island allerdings ein kleiner Staat ist, war man im Ausland nicht mit der eigenen Währung sondern mit diversen anderen Währungen verschuldet, u.a. dem US-Dollar und dem Euro. Als die isländische Währung, die isländische Krone, einigermaßen stabile Wechselkurse zu den wichtigsten Währungen der Welt hatte, war dies wenig problematisch. Erst als die isländische Krone an Wert gegenüber dem US-Dollar verlor wuchsen die Staatsschulden – in Kronen gesehen – dramatisch.

Reine Mutmaßungen werden hingegen mit dem Protektionismus innerhalb der EU geäußert, auch wenn Frankreich seine größten Autohersteller eher fragwürdig gestützt hat, so gab es doch viele Bekenntnisse zu offenen Märkten, die sich auch in der Gesetzgebung wiederfinden. So gibt es in Deutschland und Österreich für die Verschrottung eines Altautos bei einem Neuwagenkauf eine staatliche Zulage. Dies geschieht beispielsweise unabhängig von der Produktion des Autos.