Bibliotheken – Zukunft

Ich bin eigentlich eine Leseratte. Doch seit ich 18 geworden bin, besitze ich gar keinen Bibliotheksausweis. Dabei war ich kurzzeitig sogar der Überzeugung einen Büchereiausweis für die Bücherei der Nachbargemeinde zu brauchen. Wie kam der radikale Wandel?

Neue Medien
Eigentlich leihe ich mir hauptsächlich Bücher aus. Das ist sicherlich auch der Hauptzweck einer Bibliothek, die zugegebenermaßen immer mehr DVDs und Computer-Spiele führt. Nun interessierte mich das Computer-Spiel Civilization IV doch irgendwann so sehr, das ich es einfach mit einer ganzen Reihe von Büchern mir ausgeliehen habe.

Nun sind die meisten Bücher der Bibliothek schon etwas – sagen wir mal – älter. Die Computerspiele sind dagegen wie ein neuer Fremdkörper in den Regalen. Folglich ist der Umgang des Personals der Bibliothek auch etwas anders als bei den anderen Medien. So sind Computerspiele in großen Schutzboxen, sodass man eigentlich nur den Namen des Spiels vor dem Ausleihen erkennen kann…
Die Kurzfassung: Ich lieh mir das Spiel aus, installierte es – spielte es eine Weile – gab es wieder zurück. Sogar pünktlich in der 14-Tage-Frist. Nur wurde mir beim Abgeben dann vorgeworfen ich hätte das Medium beschädigt. Die CD-Hülle war in der Tat beschädigt – nur nicht von mir. Missmutig bezahlte ich 1€ – des Friedens willens.

Bei Büchern die schon zerfetzt sind, Anmerkungen an den Rand geschrieben worden sind – hat noch niemand was gesagt, geschweige denn einen 1€ verlangt um das Buch wieder zusammen zukleben, oder um ein neues Radiergummi anzuschaffen.

18. Geburtstag
Jeder in meiner Familie hat einen Bibliotheks-Ausweis. Das ist im Vergleich zu den Einzelausweisen recht günstig. Der einzige wirklich dauerhaft aktive Nutzer ist jedoch mein Vater. Während ein Familienausweis sensationell günstige 20€ kostet – will man für einen Einzelausweis 15€. Auf den Familienausweis durfte ich allerdings ab meinem 18. Geburtstag keine Medien mehr ausleihen. Ich sei zu alt dafür und benötige einen Einzelausweis, meinte die freundliche aber recht bestimmte Bibliothekarin.

Wenige neue Bücher
Der größte Teil des Bestands der Bibliothek ist alt. Sehr alt. Dementsprechend kenne ich die meisten, für mich wirklich interessanten Bücher schon. Neue Bücher gibt es nur vereinzelt.
Es wäre schön wenn man den Bestand ab und an erneuern würde – ein seit fast dreißig Jahren beliebtes Exemplar von Douglas Adams (The Hitchhikers Guide to the Galaxy) ist, wie andere Bücher des Autors, des öfteren ausgeliehen. Da wäre auch mal ein neues Exemplar angebracht.

Qual: Wekatalog
Der Onlinekatalog, der 1:1 auch in der Bibliothek zur Verfügung steht, ist quälend langsam. Zudem sind manche Informationen einfach nicht zu gebrauchen. Wenn bei einem Buch als Zustand „In Bestellung“ über ein Jahr lang auftaucht, glaubt man einfach nicht mehr daran,es jemals in der Bücherei zu finden. Zumal der Standort eines Buches nicht immer korrekt ist, entsteht schnell Frust mit dem Katalog. So ist mal das eine Buch unter Technik statt in der Schülerbibliothek zu finden. Etwas verwirrend.

Internet
Über das Internet bekommt man eine ganze Menge interessanter Bücher für ein paar Cents plus Versand. Insbesondere wenn die Bücher fast dreißig Jahre alt sind. Für die 15€ des Einzelausweises kann man um die 9 Bücher über Booklooker kaufen. Wer nicht wählerisch ist, kann die Zahl sogar noch deutlich erhöhen.

Zeitschriften
Positiv zu bewerten ist hingegen die Zeitschriften-„Abteilung“ der Stadtbücherei. Dort gibt es neben diversen Tageszeitungen (FAZ, Welt, div. Regionalzeitungen, TAZ) auch ein paar recht ansprechende Magazine wie Focus Money, Chip, CT, Natur und Kosmos, Spotlight und erstaunlich viele andere. Ein netter Zeitvertreib falls man mal in der Stadt ist und noch etwas Zeit überbrücken will. Einziges Problem dabei sind die Öffnungszeiten.

Öffnungszeiten
Während Ikea Samstags bis 22:00 Uhr geöffnet hat, schafft es die Bibliothek nur bis 14:30 an Samstagen. Wochentags hat die Bibliothek immerhin bis 18:30 geöffnet. Das kann man akzeptabel finden, zu einem Schmökernachmittag nach Schule oder der Arbeit lädt es allerdings auch nicht gerade ein. Zumal Montags die Bibliothek ohnehin geschlossen ist…

Fazit
Obwohl ich eigentlich recht viel lese – einen Bibliotheksausweis brauche ich nicht. Zum Zeitschriften durchblättern jedoch recht gut zu gebrauchen. Haben also Bibliotheken noch eine Zukunft. Schwer zu beantworten. Vermutlich kommt es auf die Qualität des Bestandes einer einzelnen Bibliothek an und auf den Etat. Medien kosten halt einiges.