Zielgruppe Schüler und werbefreie Schulen

Da war es wieder, eines dieser vermeintlichen Info-Hefte, die von Lehrern so gerne ausgeteilt werden. Schließlich werden darin Schülerinnen und Schüler gut über berufliche und akademische Weiterbildung informiert. Doch ein Blick ins innere von dem Heft das unser Deutschlehrer in der letzten Stunde vor den Ferien austeilte, lässt Zweifel aufkommen:
Das Editorial ist zwischen einem Gewinnspiel und einer einseitigen Anzeige platziert, der Rest des redaktionellen Teils des Heftes geht ebenso unter. Anzeigen von Unis, Ausbildungsbetrieben und Gewinnspiele wechseln sich mit Artikeln und Befragungen von Schülern und Studenten ab. Immerhin findet man vereinzelt auch Hinweise für Berufseinsteiger. Der Hauptteil allerdings hat es in sich, auf gelbem Grund und weißer Schrift vermerkt man, dass es sich um ein sogenanntes Advertorial handelt. Diesen kaum sichtbaren Hinweis sollte man beachten, schließlich handelt es sich um eine Anzeige – was man bei dem Wort Advertorial (sofern man es denn lesen konnte) eventuell nicht gleich vermutet. Mir selbst viel dann aber doch recht schnell auf, dass es sich um eine Anzeige handeln muss:
So wurde zum Beispiel eine Akademie für internationales Management vorgestellt, eine kleine Infobox klärt darüber auf, dass die Studiengebühren an dieser privaten Business School pro Jahr 7.080 € betragen. Kein Schnäppchen für Studenten, dessen Eltern keinen Blanko-Check ausstellen. Dennoch platzierte man gleich neben eben dieser Infobox ein Zitat einer Absolventin, die ausgerechnet die Studiengebühren als „tragbare Studiengebühren“ umschreibt. Ein Blick zur Seitenzahl verrät auch, das es sich in der Tat immer noch um das sogenannte „Advertorial“ handelt.
Werbefreie Schule? Die gibt es nicht mehr wenn man Berufsbildungsmagazine in den Schulen auslegt. Wer schon diese Magazine auslegt, kann auch gleich neben dem Vertretungsplan Werbung für Frühstücksflocken machen, den Sportunterricht vom Fitness-Center sponsern lassen und das Dach der Schule als Werbefläche für die in der Nähe landenden Flugzeuge benutzen. Wenn man dann auch noch die Klassenräume am Abend für Tagungen, Seminare und Jobbörsen vermietet kann man die Schulen auch noch privatisieren. Doch dieses „wir wollen keine Werbung an den Schulen“ und das Austeilen von Werbeprospekten innerhalb des Unterrichts ist schon sehr paradox.

Nachtrag: Nach einer kurzen Recherche habe ich herausfinden können, dass einer der Gründer des Magazins/Werbeblatt das massenhaft an Schüler verteilt wird, nach eigenen Angaben „zudem als Berater für große deutsche Verlage mit dem Schwerpunkt „Erschließung junger Zielgruppen“ tätig“ ist. Das da so viele Schulen mitziehen verwundert doch sehr.