Erwartungen der Arbeitgeber

Wenn ich mir aber so manche Stellenbeschreibung anschaue, so frage ich mich ob die Erwartungen von dem Arbeitgeber mit den Erfahrungen der neuen Auszubildenden/Praktikanten überhaupt zu vereinen sind. So erwartet man in einer Stellenausschreibung den fertig Ausgebildeten Spezialisten, der am besten 4 Monate ohne jegliche Vergütung für das so „erfolgreiche Unternehmen“ arbeiten soll. Zum Dank gibt es vermutlich nicht mehr als ein mäßig gutes Arbeitszeugnis – vermutlich gibt es bei dem Unternehmen sogar ein Auto-Textformular, für das nur noch der Name des Praktikanten eingegeben werden muss. Alles andere wäre ja mit Arbeit und Investitionen in Mitarbeiter verbunden – und genau das scheint kein Unternehmen mehr zu wollen.

Zum anderen habe ich auch Verständnis für Unternehmer. Diese wollen nicht ihren Mitarbeitern erst einmal Selbstverständlichkeiten beibringen. Dafür sollte die Schule sorgen – doch das kann die Schule „nur“ noch begrenzt. Zu vielfältig sind die Berufsfelder geworden – was alles in allem vielleicht sogar ein Glück ist. Doch diese Vielfalt lässt sich nur schlecht auf die Schulen übertragen – bietet man frühzeitig spezialisierte Kurse an, werden sich SchülerInnen nicht unbedingt nach ihren Neigungen sondern vielmehr nach dem elterlichen Rat entscheiden. Differenziert man spät, hat man „alte“ Berufseinsteiger – vermutlich aber qualifiziertere. Doch die haben von sich selbst auch kein schlechtes Bild und sind nicht unbedingt darauf versessen eine (schlecht bezahlte) Ausbildungsstelle anzunehmen. Langes ausharren im deutschen Schulsystem macht halt genügsam.

Doch selbst wenn man Kurse auf Berufe mehr abstimmt und früher Wahlmöglichkeiten eröffnet – die Vielfalt wird man schon aufgrund der Personal-Situation an deutschen Schulen nie auf die Kursmöglichkeiten der Schule erweitern können. Ein Kurs für angehende Buchbinder wird auch bei einer Besserung reine Utopie bleiben…

Die Unternehmen wollen sich möglichst aus der Ausbildung finanziell heraus halten – wollen aber zugleich von gut ausgebildeten Personal profitieren. Das dies nicht funktionieren kann, ist wahrscheinlich sowohl Arbeitgebern als auch angehenden Azubis klar. Die Klagen von beiden Seiten sind nur die logische Konsequenz.