Robert Musil die Verwirrung des Zöglings Törleß – Romananfang

Robert Musils Roman, „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß„, beginnt mit der Beschreibung einer Bahnhofsstation. Diese wird vom Erzähler als recht trostlos charakterisiert: „Zertretener Boden“ und die „Akazienbäume, die traurig mit verdursteten, von Staub und Ruß erdrosselten Blättern“, vermitteln ein lebloses und gräulich, tristes Gesamtbild. Im weiteren Verlauf der Ortsbeschreibung wird dieses trostlose Gesamtbild intensiviert: „Machten es diese traurigen Farben, machte es das bleiche, kraftlose, durch den Dunst ermüdete Licht der Nachmittagssonne: Gegenstände und Menschen hatten etwas gleichgültiges, Lebloses, Mechanisches an sich.“
Mit einem Male tritt in diese, als äußerst trostlos charakterisierte Gegend, eine „heitere Gesellschaft“, die in unmittelbaren Kontrast zu dem Ort steht. Wobei die Gesellschaft selbst, durch die Altersstruktur („junge Leute“ und „älteres Ehepaar“) kontrastreich erscheint. Auch die „etwas laute Unterhaltung“ steht im Gegensatz zu der, vorher beschriebenen Leblosigkeit des Ortes. Erst jetzt erfährt der Leser, warum sich die Gruppe an diesem trostlosen Ort befindet. Tärleß war, nach eigenen Wunsch in ein ländliches Konvikt gekommen. Nun galt es sich von den Eltern zu verabschieden. Ebenfalls wird auch in der Handlung ein Gegensatz deutlich. Törleß, der auf eigenen Wunsch im „Konvikte zu W.“ aufgenommen wurde, leidete unter Heimweh: „Dieser Entschluss hatte später viele Tränen gekostet. Denn fast seit dem Augenblicke, da sich das Tor des Institutes unwiderruflich hinter ihm geschlossen hatte, litt der kleine Törleß an fürchterlichen, leidenschaftlichen Heimweh“. Es fällt auf, dass bei der ersten Erwähnung Törleß‘ nicht die Äußerlichkeiten, wie bei der vorhergegangen Ortsbeschreibung, beschrieben werden. So erfährt man über Törleß‘ Aussehen herzlich wenig. Der Erzähler beschränkt sich auf die Darstellung der Charaktereigenschaften und (später) die Gefühle von Törleß, wodurch die Nähe des Erzählers zu Törleß deutlich wird.