Vertretungsplan

Ich gehöre eigentlich nicht zu denjenigen, die bei jeder Kleinigkeit aus der Fassung geraten. Manchmal bin ich jedoch innerlich am Kochen: Der Vertretungsplan verrät für mich schlimmes. Schon in den letzten drei Wochen fielen meine Philosophie-Stunden mehr oder weniger aus. Da wies der Vertretungsplan für die eine oder andere Stunde die Bemerkung selbstständiges Lernen im Kursraum auf. Ein anderes Mal, war von Bearbeitung gestellter Aufgaben, die Rede. Es war sogar eine Aufgabe vorhanden. Nur deckte die nicht wirklich Stoff für neun Schulstunden ab. Eine Kritik zum Existentialismus ist dann halt je nach Motivation recht schnell geschrieben. Weitere Aufgaben könnte man uns nicht geben. Zwar hätte der fehlende Lehrer eine Nachricht auf den Anrufbeantworter gesprochen, jedoch sei dieser gerade technisch defekt. Außerdem könnte man den Lehrer nicht erreichen, so teilte man es uns mit. So stand denn auch die weiteren Tage Bearbeitung der gestellten Aufgaben an dem lehrreichen Vertretungsplan. Nur wusste niemand so recht was gemacht werden sollte. So verbrachte man die Stunden dann mit dem anfertigen einer Anwesenheitsliste in schönster Schreibschrift, dem anfertigen diverser Hausaufgaben, bei dem örtlichen Bäcker oder einfach bei McDonalds.

Im Kontrast dazu stand eine eifrige Kollegin, die auch für einige Tage fehlte. Diese war etwas übereifrig und schaffte es uns Schülern mehr aufzuhalsen als sie selbst je in dieser Zeit hätte vermitteln können. Doch die Tage gingen vorrüber und die Lehrerin erschien wieder in der Schule, gerade rechtzeitig zum angesetzten Klausur-Termin. Die Aufgaben konnten dann aufgrund des Zeitmangels in drei (!) Schulstunden nicht mehr besprochen werden weil die Zeit dafür einfach nicht mehr reichte. So schaffte man es bis zur Klausur gerade einmal den Stoff der ersten ausgefallenen Stunde zur Bearbeitung gestellter Aufgaben zu besprechen.

In der nächsten Woche ist keine Besserung in Sicht: Zwar fällt Sport ersatzlos aus. Der mit dem deutschen Schulwesen vertraute Leser sollte wissen, dass die Schüler nicht unbeaufsichtigt an den Geräten turnen dürfen. Weniger wegen des Gesetzes sondern aufgrund der Versicherung. Doch fallen außer Sport bei mir noch zehn (!) andere Schulstunden (bestehend aus Englisch und Deutsch) aus. Doch für diese ist ebenfalls ein striktes Programm angesetzt: In Englisch ist ein Viertel des Dramas „Romeo and Juliet“ zu lesen und zusammenzufassen, außerdem sollen zwei Verfilmungen dazu angesehen und beschrieben werden. Auch Deutsch ist nicht ganz ohne: Sieben Din-A4 Seiten warten auf den Kurs, dazu noch ein paar diktierte Aufgaben.

Das wäre alles nicht so schlimm, wäre da nicht eine Vorahnung die sich bisher immer bestätigt hat. Die Aufgaben haben kaum einen praktischen Nutzen oder bereiten auf die nächste Klausur vor. So wird in Englisch als auch in Deutsch ein komplett anderes Thema als die jetzigen Aufgaben das Klausurthema sein. Etwas mehr Weitsicht wäre schön, denn der nächste Unterrichtsausfall kommt bestimmt.