Das mehrgliedrige Schulsystem (II)

Unter diesen Eindrücken – ging ich also einen Tag durch die Hauptschule, wo auch das Service-Team des ganzen Schulzentrums sein Büro hat um dort wegen eines Schulprojektes nachzufragen. “Hey, was grinst ihr mich so an?! Ihr sollt raus – es ist Pause – habt’ ihr’s bald!”, dröhnte es aus dem Körper eines älteren Lehrers, dessen Statur so mickrig war, dass man kaum vermutet hätte das sein Körper zu solch’ lauten Klängen fähig wäre. Gemeint war nicht ich, sondern zwei kleinere Jungen, die sich feixend auf ein paar Stühle in der Aula gelegt hatten. Irgendwie blieb ich ganz verwirrt stehen und vergaß ganz wo ich hin wollte. “Ey’ da’ guck’ nicht”, meinte einer der beiden zu mir im vorbeigehen. Ich grinste nur – angesichts der Tatsache das der Junge mindestens drei Köpfe kleiner und mehr als nur eine Ecke jünger war. Vielleicht ein Fehler. “So und was wills’n du nun hier drin”, fragte nun mich der Lehrer in einem immer noch relativ lautstarken Ton. “Äh ja, ich bin vom CSG und ich suche das Hausmeister-Team. Wo ham’ die denn ihr Büro?”, und versuchte möglichst unschuldig auszusehen. Wie gewandelt und im aller freundlichsten Ton hörte ich nur ganz leise, von der Seite, “geradeaus und beim Aquarium rechts.. dann die vorletzte Tür… schönen Tag noch”.

Ich hatte eher eine Standpauke erwartet – was der Herr wohl gemacht hätte, wenn ich den Namen meiner Schule genannt hätte?

Kategorie: Schulleben Ein Kommentar »

Eine Reaktion zu “Das mehrgliedrige Schulsystem (II)”

  1. weltkriese

    Älterer Beitrag, aber hier meine Eindrücke: Ich war bzw. bin auf Gymnasium und Hauptschule gewesen.

    Das Gymnasium kommt mir leider wirklich wie eine Ansammlung von Leuten vor, die sich für die Elite halten. Von denen die allermeisten aber nur das Nachplappern was der Prof. sagt und gedanklich keine Treppenstufe hinauf gehen können. Es war erschreckend anzusehen, wie oberflächlich die Meisten agierten und wie absurd sie über Schüler aus “schlechteren” Schulen sprachen.
    Es gab aber eben doch den ein oder anderen der in seinem mentalen Status ein wirklich hohes Niveau aufweisen konnte. Aber es war die Seltenheit. Gymnasiasten sind nicht unbedingt klug oder klüger, sondern lernbereiter, das hat oft etwas mit der Erziehung zu tun, leider ist auch das Geld ein deutliches Beispiel.

    Als ich die Hauptschule zum ersten Mal betrat, hatte ich wirklich ein mulmiges Gefühl. Vom Gymnasium kannte ich die Reden jener Leute, die hier scheinbar täglich ein Messer mit sich führen und dir Gewalt antun, wenn du ihnen nicht deinen Portemonaieinhalt überreichst.
    Es war natürlich anders. Die meisten Schüler waren freundlich. Ich würde nicht sagen, dass diese Leute dumm sind, denn das sind sie nicht. Die Meisten haben Schwächen in einigen Fächern, sagen wir mal Mathematik und Deutsch, sind dafür in anderem gut. Das Niveau des Lernstoffes ist im Vergleich nichts wert, was den Abschluss dadurch wirklich sinnlos macht.

    Die allermeisten Hauptschüler sind praktisch veranlagt. Es gibt aber eine Reihe solcher Kinder, die man nicht gefördert hat, entweder weil die Eltern davon nicht wirklich viel verstanden (hoher Ausländeranteil, das ist kein Vorwurf, sondern die Analyse, wer hier nie lebte, kann ja auch nicht verstehen, wie es wirklich abläuft) oder weil ihre Talente nur in einem bestimmten Fach liegen. (Ich hatte einen Matheass in der Klasse, der zu Hause Aufgaben aus Universitätsbüchern rechnete, aber in Deutsch und Englisch immer versagte.)

    Das größte Problem an der Hauptschule ist die Motivationslosigkeit der Schüler. Einmal weil sie als das Gefühl bekommen als letzter Abschaum gehandelt zu werden, dann auch wegen der Lehrer, weil diese wirklich keine Ahnung haben und mit dem Gefühl reingehen, dass diesen Leuten eh nicht mehr zu helfen sei.

    Nun, letztendlich kann ich sagen. Ich mag weder Hauptschule noch Gymnasium. Das deutsche Schulsystem ist absurd. Es ist völlig idiotisch, weil es keine Talente fördert und Menschen mit Schwächen aufhält, statt zu helfen. Wer in Mathe spitzenmäßig ist, aber in anderen Fächern Probleme hat, der kann das Gymnasium schonmal vergessen. Dort wird man als Funktion der Gesellschaft uniformiert und kommt dann mit dem Titel “gebildet” heraus. Wenn Bildung bedeutet, dass man sich so sehr anpassen muss, dass jegliches Interesse verfällt, dann ist es der falsche Ansatz. Wieso zeigen Schulsysteme aus den USA und skandinavischen Ländern bessere Wirkung? Wieso will das hier niemand einsehen?

    Wir brauchen keine Gesamtschule, sondern ein Kurssystem. Schon ab der 7. Klasse, davor 6 Jahre Grundschule. Meiner Meinung nach. Klingt etwas drastisch, aber bin gerade nicht in Schreiblaune. Weiß ja eh nicht wer das liest. Hey, ho.


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